Medizin aufs Ohr: Das Krankenhausreformanpassungsgesetz - Was kommt jetzt auf die Kliniken zu?

Shownotes

Dieses Mal sprechen wir in Medizin aufs Ohr über das im März 2026 verabschiedete Krankenhausreformanpassungsgesetz, KHAG. Dieses komplexe Gesetzgebungsverfahren wurde mit zahlreichen Änderungsanträgen bedacht und nicht zuletzt deshalb nur Stück für Stück in die Klinik-Realität überführt. Insgesamt müssen sich die Krankenhäuser trotz vieler Ausnahmeregelungen und langer Übergangsfristen auf veränderte Strukturen einstellen. Kritiker warnen vor noch mehr Bürokratie, zu hoher Komplexität, wirtschaftlichen Stolpersteinen. Was also bedeutet das KHAG für die Kliniken? Zu Gast bei Medizin aufs Ohr: Nils Dehne, Geschäftsführer der Allianz Kommunaler Großkrankenhäuser in Berlin. Er vertritt die Interessen von derzeit 30 großen kommunalen Krankenhäusern in Deutschland. Der Volkswirt beschäftigte sich schon zu Beginn seiner Karriere bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank mit der wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser. Seit 2024 ist Nils Dehne zudem Geschäftsführer der Dienstleistungs- und Einkaufsgemeinschaft der Kommunalen Krankenhäuser.

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00:00:05: Willkommen bei Medizin aufs Ohr, dem Podcast der Escolapakademie.

00:00:08: Dieses Mal widmen wir uns den im März für abschiedeten Krankenhausreform-Anpassungsgesetz.

00:00:15: Das komplexe Gesetzgebungsverfahren wurde mit zahlreichen Änderungsanträgen bedacht – die Krankenhäuser müssen sich auch veränderte Strukturen einstellen.

00:00:25: Gleichzeitig gibt es viele Ausnahmeregelungen und lange Übergangsfristen.

00:00:29: Kritiker warnen vor noch mehr Bürokratie!

00:00:33: Was also bedeutet das KHAG für die Kliniken?

00:00:37: Nils Dehne ist Geschäftsführer der Allianz kommunaler Großkrankenhäuser in Berlin.

00:00:42: Er vertritt die Interessen von derzeit dreißig großen kommunalen Krankenhäusern in Deutschland.

00:00:47: Der Volkswirt beschäftigte sich schon zu Beginn seiner Karriere bei der deutschen Apotheker und Ärztebank mit der wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuse.

00:00:57: Seit Jahrzehnte ist Nils Dehne auch Geschäftsführer der Dienstleistungs- und Einkaufsgemeinschaft der kommunalen Krankenhäuser.

00:01:09: Medizin auf's Ohr, dieses Mal mit Nils dehne, Geschäftsführer der Allianzkommunale Großkrankenhäuse eV in Berlin.

00:01:16: Willkommen Herr DehNe!

00:01:18: Herzlichen Dank für die Einladung!

00:01:20: März, im Jahr zum Jahr zu Jahr.

00:01:22: Was lange wert ist man geneigt zu sagen wird vielleicht endlich gut?

00:01:28: Das soll Gegenstand unseres Gesprächs heute sein.

00:01:30: Der Bundestag verabschiedete am sechsten März, das Krankenhausreform-Anpassungsgesetz KHAG.

00:01:43: zeigt schon komplexe Materie, ganz klar.

00:01:46: Die Krankenhauslandschaften muss sich verändern und sie wird sich ver ändern so Bundesgesundheitsministerin Nina Wagenklar.

00:01:54: Kliniken arbeiten überwiegend defizitär oder auch das Geld reicht nicht.

00:01:59: um es ganz einfach zu sagen um die Leistungen zu bezahlen fragt sich wie schnell und was die Änderung für Patientinnen und Patienten sowie natürlich all die Healthcare Professionals bedeutet Ihre Einschätzung erdehne erst mal aus der Vogelperspektive, dass KHAG großer Wurf oder Würfchen.

00:02:16: Das ist ja wie so oft mit Gesetzgebungsverfahren die mit großen Ankündigungen starten und der Ursprung dieses Reformgesetzes oder des Anpassungsgesetzes ist ja schon im Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU vereinbart worden und die haben mit großen Erwartungen auch von vielen Seiten verbunden gewesen.

00:02:36: Insofern würde ich sagen, am Ende ist es wie so oft in vielen kleinteiligen Diskussionen gestrandet und die Praxistauglichkeit dieser ganzen kleinen Details würde sich erst noch zeigen müssen.

00:02:49: Und meine Vermutung ist sogar, dass ja noch nicht alle Stakeholder all die Details- und praktischen Implikationen aller dieser Regelungenanpassungen schon vollends überblicken.

00:02:59: Das ist auch nicht in einem losgelösten Raum unterwegs, sondern die Zeit hat sich ja inzwischen schon weiter gedreht.

00:03:06: und vor dem Hintergrund der akuten Debatten um Sparmaßnahmen glaube ich könnte der eine oder andere auch noch mal zu einer Neubewertung des Gesetzgebungsverfahrens unter der Anpassungen aus dem KHAG kommen.

00:03:18: Es gibt da jetzt schon wahnsinnig viele Ausnahmen, Sonderregelungen, Horizonte, die erweitert sind bis zwanzig dreißig, zwanzich zweiunddreißig und darüber hinaus.

00:03:27: Bleiben wir ein bisschen bei der Vogelperspektive vielleicht.

00:03:30: Was bedeutet das, was wir jetzt in der Hand haben?

00:03:33: Ganz akut für die kommunalen Großkrankenhäuser.

00:03:36: Als allererstes bedeutet das auf jeden Fall eine Verzögerung und nochmal eine gewisse Neuorientierung im Hinblick auf die dringend notwendigen Reformrichtungen, die ja inzwischen auch weitgehend unbestritten und unumstößlich sind.

00:03:53: Also man muss einfach ganz klar sagen wir haben weder ausreichend finanzielle noch ausreichende personelle Möglichkeiten um so weiter zu machen wie bisher.

00:04:01: Das heißt also alle Leistungserbringer werden sich neu orientieren müssen.

00:04:09: Und was ich sehr, sehr schade finde ist dass gerade die Krankenhausträger und die Krankenhäuser, die sich schon auf den Weg gemacht haben und sehr konsequent an diesem Reformweg auch mitarbeiten durch Konzentrationsprozesse, durch andere Netzwerkbildungen das die jetzt so ein kleines wenig sich nochmal neu berappeln müssen weil natürlich zahlreiche Änderungen und Ausnahmen oder vielleicht auch Rezögerung noch mal hinzukommen die letztendlich darauf basieren, dass es doch an vielen Ecken in unserem Land immer noch Menschen gibt.

00:04:38: Die versuchen möglichst viel von der Vergangenheit in die Zukunft zu retten.

00:04:42: und das ist natürlich ein Spagat den wir in allen Politikfeldern erleben aber eben auch gerade jetzt im Gesundheitswesen.

00:04:48: und nochmal Wir können nicht so weitermachen wie bisher Das ist auch jedem klar und das wissen auch mit zwischen alle Mitarbeitenden in den Krankenhäusern.

00:04:55: Und insofern hätte ich mir persönlich Aus der Perspektive der großen kommunalen Maximarversorger ein bisschen mehr Tempo, ein bisschen strengenz und auch Mut zu dieser Veränderung gewünscht.

00:05:07: Und davon ist am Ende in dem KHAG aus meiner Sicht ein wenig übrig geblieben weil es doch sehr stark darum ging noch einzelne Sonderfälle landaufland ab in die Zukunft zu retten.

00:05:19: An einigen Stellen nachvollziehbar.

00:05:21: Es gibt immer Beispiele, die notwendig sind oder wo auch jeder Akteur im Gesundheitswesen ein Verständnis für hätte.

00:05:28: Dass das irgendwie dafür eine Lösung gefunden werden muss.

00:05:32: aber ob man all diese Sonderregelungen dann auch in einen gesetzlichen Rahmen schreiben muss Das wage ich doch zu bezweifeln.

00:05:39: Zumal wir ja im Gesundheitswesen immer wieder vor dem Spagat stehen, dass wir von wachsender Bürokratie und Regelungswut reden und mangelnde Freiheiten identifizieren.

00:05:49: aber wenn es dann darum geht mutig ein Rahmen für die Zukunft zu gestalten Dann möchte wiederum doch jeder einzelne seinen Sonderfall auch gesetzlich geregelt und verankert haben.

00:05:59: Und das ist eine Welt die für mich nicht so ganz zusammenpasst und da darf sich auch jeder an die eigene Nase fassen.

00:06:03: welchen Beitrag er zu dem Regelungs Wust leistet

00:06:07: Klare Worte.

00:06:08: In denen lassen Sie uns mal ein paar Einzelpunkte reingehen, Leistungsgruppen beispielsweise.

00:06:15: Einen Sechzig bleiben von ursprünglich fünfundsechzig.

00:06:18: Infektiologie, Notfallmedizin spezielle Dramatologie, spezielle Kinder und Jugendmedizin und Kinder- und Jugendchirurgie fallen weg.

00:06:26: Gleichzeitig gibt es eine Masseausnahme Regelungen die verankert wurden.

00:06:32: was halten sie von dieser neuen Definition?

00:06:34: Also das ist sicherlich ein Punkt, der noch gewisse Anpassungen bedurfte.

00:06:38: Wir müssen uns mal vor Augen führen wir kam ja mal von der Idee von glaube rund hundertundzwanzig Leistungsgruppen die die Regierungskommission seinerzeit noch vorgeschlagen hat und waren dann schon auf fünfundsechzig runtergegangen.

00:06:52: Und trotzdem hat man das Gefühl in der politischen Debatte, dass jede Spezialdisziplin aus dem Gesundheitswesen oder Institutionen aus der Krankenhausversorgung seine eigene Leistungsgruppe sich gewünscht hätte.

00:07:04: Ich glaube wir fahren gut damit mit diesem überschaubaren Zett an Leistungs-Gruppen jetzt zu starten.

00:07:10: die Leistungs Gruppen, die dort jetzt nochmal rausgestrichen worden sind waren auch im Hinblick auf ihre Abgrenzbarkeit und Definierbarkeit doch eher schwierig zu betrachten.

00:07:19: Auch die waren aus meiner Sicht ein Ergebnis von Interessens geleiteter Politikberatung.

00:07:24: Und insofern, glaube ich ist es sinnvoll das erst mal zu kürzen.

00:07:29: und man muss ja ehrlicherweise sagen dass dieser Grupper, der zwischenzeitlich entwickelt worden ist um eben alle DRG-Leistungen auch in Leistungsgruppen zuzuordnen.

00:07:38: Schon diese Leistungskruppen gar nicht berücksichtigt hat weil es einfach technisch und methodisch gar nicht richtig möglich war.

00:07:43: von daher ist das glaube ich ein sinnvoller Kompromiss jetzt mit einundsechzig Leistungsgruppe zu starten und in weiteren zu sehen.

00:07:50: wo kann man in Zukunft gegebenfalls Anpassungen oder Weiterentwicklungen vornehmen?

00:07:56: Werfen einen Blick auf Krankenhaus-Transformationsfonds.

00:07:59: Da gibt es aus dem Sondervermögeninfrastruktur, um ca.

00:08:10: und ungefähr für die Krankenhäuser.

00:08:16: Tropfen auf den heißen Stein?

00:08:18: Erstmal ist es ein Volumen, von dem die Krankenhauslandschaft jahrelang nur träumen konnte.

00:08:23: Das muss man sich mal vorstellen.

00:08:24: das KHZG, das ist digitalen Sonderprogramm.

00:08:28: Das hatte glaube ich irgendwas rund um vier Milliarden Volumen Und schon das war irgendwie eine große Goldgeläberstimmung bei Beratern, Digitaldienstleistern und IT-Abteilungen.

00:08:40: Ich glaube da setzt der Kater gerade auch so ein bisschen ein nach dem Fest.

00:08:44: insofern ist das kein Grund zur überschwenklichen Euphorie.

00:08:48: aber Tatsache es erstmal dass es extrem viel Geld gibt, was dort ins Gesundheitswesen fließen wird und fließen darf.

00:08:56: Es ist aber jetzt auch kein Rettungsprogramm für alle marode Krankenhausinfrastruktur.

00:09:00: Das muss man ganz klar sagen – das steht immer wieder in dem politischen Diskurs!

00:09:05: Das soll eben zusätzlich dafür genutzt werden... die Krankenhausstrukturen an eine zukunftsfähige Krankenhauslandschaft anzupassen.

00:09:14: Das heißt nicht, dass jedes marode Bettenhaus oder jeder Erweiterungsbau den sich der einzelnen Krankenhausgeschäftsführer für die Entwicklung seines Standortes vorstellt auch darüber zu finanzieren ist.

00:09:26: das ist und bleibt weiterhin die Aufgabe des jeweiligen Bundeslandes.

00:09:30: was dadurch finanziert wird sind eben Anpassungsmaßnahmen Und ich glaube, das ist notwendig und es ist auch im Volumen hier wahrscheinlich notwendig.

00:09:39: Da gibt's auch noch so ein paar Details wie man mit alten Fördervoluminer umgeht oder Förderbeträgen umgeht von Krankenhäusern.

00:09:47: die jetzt zu machen Das kostet ja...das sind ja alles noch mittelgroße Herausforderungen.

00:09:52: Das ist ja alles andere als einfach.

00:09:54: Insofern braucht man glaube ich das Volumen.

00:09:56: Es ist allerdings alles andere Als ein Sanierungsprogramm für Krankenhäuser sondern ist eine Strukturanpassung Programm und insofern fokussiert es sich auch sehr stark in der Förderlogik des Bundes auf Infrastruktur, also auf Bau wieder.

00:10:12: Das mag dem ein oder anderen Krankenhaus nicht passen aber das ergibt sich einfach aus der Logik dieses Gesetzes und ich glaube dass der Beitrag zur Veränderung dadurch schon massiv unterstützt werden kann.

00:10:26: Nehmen wir mal ein Dreierpack von den großen Pfeilern vom KHAG.

00:10:31: Standortdefinitionen, Vorhaltevergütung bis zu zwanzig dreißig und die Level-Einteilungen und die Fachkliniken Immer im Hinblick eben auf die kommunalen Häuser.

00:10:42: Beispielsweise bei der Standortefinition war es ja so, dass die eine oder andere Uniklinik gesagt hat Mensch wir haben Standorte verteilt in einer Stadt und die sind dann mal mehr als zweitausend Meter auseinander usw.

00:10:55: Und dann kriegen wir einen Unwucht ins System.

00:10:58: Inwiefern betreffen diese drei Pfeiler des KHAG die kommunale Häuser?

00:11:05: Also auch unter den großen kommunalen Krankenhäusern gibt es sehr unterschiedliche Betroffenheit im Hinblick auf die Standortefinition.

00:11:12: Von Konstellationen, wo es aufgrund von baulichen Gegebenheiten eben nur die Straße gegenüber und damit irgendwie auch im Hin Blick auf die Brandschutzlage irgendwelche Abgrenzungsschwierigkeiten gibt bis hin zu den verschiedenen Standorten in einer Stadt oder auch dem schrittweisen Konzentrationsprozess von drei auf zwei und dann auf ein Standort, der nicht ganz im zeitlichen Gleichlauf funktioniert wie jetzt eben die regulatorischen Veränderungen.

00:11:43: Also solche Dinge gibt es landaufland ab.

00:11:46: Und ich muss auch gestehen da ist natürlich im Einzelfall kein Kraut gewachsen weil wir eben regulativ nicht jeden Einzelfallen lösen können.

00:11:56: Und ich denke, es gibt jetzt ausreichend gestalterische Ausnahmemöglichkeiten um darauf eine Antwort.

00:12:03: die meisten dieser Herausforderungen eine Antwort zu finden.

00:12:05: und ich will nochmal auf eine Sache ganz deutlich hinweisen.

00:12:08: Die Standortdefinition ist heutzutage in vielen regulativen Aspekten unserer Krankenhausversorgung verankert, also ganz viele GBA-Richtlinien, Qualitätsrichtlinien orientieren sich an diesem Standortbegriffen, an dieser Standortefinition.

00:12:25: um das mal ganz anschaulich zu machen auch des Thema Mindestmengen orientiert sich eben an der Standortlogik oder die Notfallstufen orientieren sich an der Standortlogik.

00:12:33: Und wenn ich jetzt die Standort-Logik verändere und beispielsweise das ganze Stadtgebiet ausdehne, habe ich unfassbare Implikationen auf diese Qualitätsrichtlinien und das Verständnis dahinterliegenden Versorgung innerhalb eines Stadtgebietes wie München oder Berlin.

00:12:50: Also es kann ja nicht im Interesse der Handelnaktöre, auch nicht der Unikliniken oder kommunalen Maximalversorger sein.

00:12:56: Dass dann plötzlich innerhalb Berlins alles ein Standort sein kann und eben Mindestmengenotfallstufen oder ähnliches dann innerhalb des Stadtgebietes verteilt ist.

00:13:05: So das kann man im Einzelfall ärgerlich finden.

00:13:08: ich glaube es ist gut dass es diese klare Definition gibt.

00:13:12: ob sie nun bei zwei oder zweieinhalb oder doch dreienhalb liegen sollte Da kann jeder seine eigene Meinung haben, wird wahrscheinlich auch aus der individuellen Betroffenheit unterschiedlich sein.

00:13:22: Man muss auch sagen das ganze Thema Level ist ja politisch weitgehend tot, regulativ zwar verankert hat aber keine praktische Bedeutung zum jetzigen Zeitpunkt.

00:13:32: ich glaube dass das allerdings trotzdem sehr sehr wertvoll ist, dass man diese Definition gesetzlich verankerd hat Weil in der nächsten Krise oder in den nächsten Umverteilungssituationen wird man darauf möglicherweise zurückgreifen können.

00:13:47: Und ich persönlich, das ist vielleicht mein Lieblingsthema, glaube dass diese Versorgungslevel auch nochmal im Hinblick auf das Thema Weiterentwicklung der Vorhalte Vergütung zum Einsatz kommen sollten und müssen.

00:13:58: Aber das ist im Moment noch Zukunftsmusik, wir sprechen ja eher wieder über das Zurückdrehen oder über kurzfristige Einzel- und Gießkannenmaßnahmen als über systematische Weiterentwicklung solcher Finanzierungsanreize.

00:14:10: aber da hätte ich schon die Hoffnung dass man dafür nochmal auf diese Instrumente zurückgreifen kann.

00:14:15: Zwar mal Pflege haben wir noch.

00:14:17: Pflegepersonal unter Grenzen und Nachjustierung beim Pflegebudget.

00:14:21: Diese Untergrenzen stufenweise bis erst mal achtzig, dann hundert Prozent Pflegepersonalbemessung.

00:14:29: Kann das besonders kritisch werden für die öffentlichen Häuser?

00:14:33: Also ich spreche mir erstmal ganz allgemein wer in Zeiten von einem Pflegebüge die Pflegepersonal unter Grenzen nicht einhalten kann der hat sich entweder strategisch bewusst dagegen entschieden sich daran auszurichten oder Der hat ein ganz anderes strukturelles Problem, was nicht explizit jetzt mit der planerischen oder mit der Verfügbarkeit von Pflegekräften zu tun hat.

00:14:57: Weil grundsätzlich seit der Einführung des Pflegebudgets jedes Krankenhaus die Möglichkeit hat so viel Pflege einzustellen wie es möchte Und das Pflegebudget gibt es auch schon seit einigen Jahren.

00:15:09: Insofern muss man sich das wirklich einmal vor Augen führen, diesen Zusammenhang.

00:15:14: und wenn jetzt eben die Einhaltung der Pflegepersonaluntergrenzen zum limitierenden Faktor werden um eben einen Leistungsauftrag zu bekommen dann überrascht mich das an der einen und anderen Stelle.

00:15:25: Ich weiß nicht, kenne natürlich auch die Probleme von einzelnen Regionen oder der Abgrenzung zwischen Stadt- und Land-, oder auch den wachsenden Fehlzeiten oder Ausfallzeiten im Personal in den Krankenhäusern.

00:15:37: Das ist mir völlig bewusst.

00:15:39: nur man kann es der politischen Regulierung nicht vorwerfen weil zum jetzigen Zeitpunkt politisch regulativ eigentlich die Krankenhauser alle Gestaltungsmöglichkeiten haben um diese Anforderungen zu erfüllen.

00:15:51: Insofern bin ich auch ein bisschen überrascht, welche Krankenhäuser jetzt dort besonders nervös werden.

00:15:57: Man muss natürlich ehrlicherweise auch sagen dass die Ausgestaltung dieser Regelung in den Leistungsgruppen jetzt systematisch durchaus fragwürdig ist.

00:16:05: also da hat aus meiner Sicht die Politik nicht ausreichend tief nachgedacht.

00:16:10: das ist auch einer der Änderungsanträge der aus den Fraktionen gekommen ist und so ins Gesetz reingefunden hat.

00:16:17: Das ist natürlich von der systematischen Logik, den gesamten Pflegepersonal untergrenzen.

00:16:23: Unabhängig von der Zuweisung zu einzelnen Leistungsgruppen oder Leistungsbereichen.

00:16:26: solche Abhängigkeiten zu schaffen das ist absolut fragwürdig muss man nicht gut finden und darf man auch kritisieren dürfte aber aus meiner Sicht eigentlich kein limitierender Faktor für die meisten Krankenhäuser sein.

00:16:39: Pflegebudget ist das andere pflegerische Thema dass behandelt wurde.

00:16:45: hier geht es wesentlich darum So auseinanderzuklamüsern, dass man eben bestimmte Leistungen ausgliedert.

00:16:51: Hauswirtschaft, Logistik, administrative technische Aufgaben und so weiter usw.

00:16:56: Und das führt natürlich logischerweise auch zu dem großen, großen Kritikthema, dass in dieser komplexen Materie eben noch mehr Bürokratie schafft unter anderem indem man das auseinander dividiert.

00:17:11: Aber da müssen wir ehrlich zu uns selber sein.

00:17:13: Also all die Regularien und Bürokratie, die wir in den letzten zehn Jahren, zehn bis fünfzehn Jahre im Gesundheitswesen geschaffen haben, haben ganz viel damit zu tun wie wir die gestalterischen Anreize- und Motivationen des Systems auch ausgenutzt haben.

00:17:30: Und ich glaube man verrät nicht soviel wenn man sagt es war von Anfang an klar das derjenige der Gewinner des Pflegebudgets der Verlierer dass darauf folgenden System sein wird.

00:17:41: Weil das Pflegebudget ist ja nur deswegen entstanden, weil sich die damalige Politik relativ sicher war, dass man sowieso nicht so viele Pflegekräfte finden wird und es deswegen auch nicht zu teuer werden wird.

00:17:51: So jetzt haben sich alle Akteure darauf eingestellt und es war absehbar, dass dieses Pflegebudget so wie es in der Vergangenheit in den letzten Jahren existiert hat, nicht in die Zukunft fortgeführt wird.

00:18:03: Und die kleinen kosmetischen Korrekturen, die es jetzt im Zusammenhang mit dem KHAG gab sind für mich nur ein Vorbote.

00:18:10: Das hat sich ja schon angekündigt als Frau Waken ihre Einsparvorschläge für das nächste Jahr präsentiert hat, dass es an den Pflegebudget auch noch mal grundlegende Veränderungen geben wird und insofern würde ich dieses Detail nicht überbewerten.

00:18:27: Ich glaube persönlich, dass wir zum Thema Pflegebudget in den nächsten Wochen nochmal grundlegende Änderungen erleben werden.

00:18:33: Die das was wir jetzt diskutieren obsolete machen und vielleicht noch mal einen Blick aus der politischen Beobachterrolle auf diese Themen.

00:18:43: Dass das Pflegebudget zur Disposition steht war auch schon zum Zeitpunkt des KRGs im parlamentarischen Verfahren absehbar, einfach aufgrund dieser finanziellen Auswüchse und Entwicklungen die das genommen hat.

00:18:56: Und meine persönliche Interpretation ist dass sowohl die SPD als auch die CDU-Fraktion nochmals zeigen musste dass sie was für die Pflege tut.

00:19:04: und so sind diese zwei Regelungen auch ins KRG gekommen einmal die Pflegepersonal untergrenzen als Voraussetzungen in den Leistungsgruppen und auf der anderen Seite eine Klarstellung Ein Rettungsversuch für das Pflegebudget.

00:19:18: Beides, glaube ich, wird im Zuge einer neuen Regelung Grund um das Thema Pflege im Krankenhaus dann nochmal überholt

00:19:25: werden.".

00:19:26: Ich bin sehr gespannt wie das weitergeht und welche Justierung da noch stattfinden wird.

00:19:31: Medizin aufs Ohrherdene ist ein Podcast der Eskulab-Akademie – und wie Sie wissen die Eskularbakademie verschreibt sich dem Thema Weiterbildung von Healthcare Professionals!

00:19:41: Hat die Weiterbildung ausreichend Platz im KHAG und auch in der Vision der Gesundheitspolitik in unserem Land?

00:19:52: Also, inwieweit das Thema Weiterbildung tatsächlich im politischen Kontext ausrichtend Verankerung hat wage ich gar nicht abschließend zu beurteilen.

00:20:03: Es finden natürlich bei all den verschiedenen Interessengruppen und Interessensvertretungen in den üblichen parlamentarischen Prozessen kaum seine

00:20:13: Verankerung.".

00:20:15: Ich glaube aber schon, dass jetzt spätestens mit der Krankenhausreform und insbesondere mit der Einführung der Leistungsgruppen, dieses Thema Weiterbildung gerade im ärztlichen Bereich ja mal für alle Beobachter sehr deutlich geworden sind wie eng das mit unseren Krankenhausstrukturen auch zusammenhängt.

00:20:35: Und ich glaube es war schon ein ganz hilfreicher Blick darauf dass man diese Sachen jetzt nicht direkt unmittelbar bundesgesetzlich auch regelt weil Beispiel weiter Bildung ärztliche Weiterbildung ist Sache der Ärztekammern und damit ja auch ein wenig auf Länderebene geregelt.

00:20:51: Und dass sich eine Bundespolitiker nicht nach der Weiterbildungsordnung einzelner Landesärztekammern richtet, ist erstmal systematisch nachvollziehbar.

00:21:01: Aber ich glaube das mir in diesem Zuge eine Debatte oder einen Bewusstsein dafür entstanden ist, dass wir eben unsere Strukturen auch ganz viel damit zu tun haben wie sich unsere Menschen in den Krankenhäusern entwickeln orientieren und ausrichten.

00:21:15: Ich glaube, dass damit eine große Chance entstanden ist dafür mehr Präsenz oder mehr Raum einzunehmen.

00:21:21: Und ich glaube das ist der richtige Zeitpunkt um diese Themen und diese Debatten stärker in die Öffentlichkeit und auch in die politische Öffentlichkei zu bringen.

00:21:28: Wenn ich mir alleine überlege welche Rolle Technologie Digitalisierung AI spielen wird in der Zukunft Im Gesundheitsbereich kann ich mir sehr leicht vorstellen, dass dort eben Einsparungspotenziale zuheben sind.

00:21:44: Und natürlich müssen dann die ergehenden Menschen egal ob fliegerisch oder ärztlich darauf vorbereitet sein ist ja vollkommen klar!

00:21:51: Ich finde das ein ganz wertvollen Punkt und würde gerne nochmal daran anknüpfen und das weiterdenken.

00:21:57: Wir müssen aber aufpassen, dass dieses Thema der persönlichen Weiterbildung und Weiterentwicklung genau vor dem Hintergrund den Sie gerade angedeutet haben nicht zu einem regulativen Erwartungshaltung wird, weil diese Herausforderungen die kein Gesetz und keine Politik der Welt lösen.

00:22:14: Das muss aus uns selbst heraus, aus den Organisationen heraus entwickelt und sichtbar und erlebbar gemacht werden.

00:22:21: Da wird uns niemand in der Politik helfen da den richtigen Fahrt zu finden.

00:22:25: Da kann man vielleicht noch darauf setzen oder hoffen dass es irgendwelche Förderprogramme oder Budgets oder Anreize gibt.

00:22:33: Aber der Grundansatz diese Technologien in unserem Arbeitsalltrag, in unserer Arbeitsweise und in unserer Persönlichkeitsentwicklung auch richtig einzusetzen.

00:22:42: Der muss von uns selber kommen und da müssen wir selber kreative Lösungen und Ideen entwickeln.

00:22:47: Das ist die Tatsache dass wir uns wahrscheinlich an vielen Stellen selber helfen müssen und selber weiter entwickeln müssen.

00:22:52: Denn wir kommen jetzt an einen Punkt, an dem die Politik aufgrund der Lage der öffentlichen Haushalte an ihre gestalterischen Grenzen kommt.

00:23:01: Die letzten zehn Jahre Man geprägt davon, dass man immer wieder die zusätzlichen Beitragseinnahmen irgendwie großzügig verteilt hat.

00:23:07: Je nach politischer Couleur oder interessensgeleiteter Dominanz einzelner Akteure und diese Phase ist vorbei.

00:23:16: wir reden insgesamt darüber das wir in Zukunft weniger Versorgung mit weniger Ressourcen realisieren müssen Und wahrscheinlich ist da draußen erst mal die Erwartung, dass es mehr an Versorgungen gibt.

00:23:28: Das erlebe ich auch immer wieder wenn ich mit Menschen aus den Krankenhäusern spreche und die sagen naja die Bevölkerung wird immer älter der Behandlungsbedarf nimmt immer zu.

00:23:36: das ist zwar richtig aber die Gesellschaft kommt an einem Punkt an dem wir uns fragen müssen welche Versorgung dieser ganzen menschen können Wir tatsächlich noch stemmen sowohl personell als auch finanziell?

00:23:46: und die Andere?

00:23:47: darauf kann nur sein Dass wir uns als Leistungsabbringer über neue Formen der Zusammenarbeit und eben der Versorgung Gedanken macht.

00:23:54: Und das fängt beim medizinischen Kooperation an, das geht über Telemedizin und den Einsatz von digitalen Technologien bis hin zu der Frage welche Dienstleistungen und Service oder Verwaltungsbereiche muss jedes Krankenhaus noch selber machen?

00:24:08: Und das ist, glaube ich eine Sache die wir bei uns im Verband mit den kommunalen Großkrankenhäusern gerade sehr systematisch angehen.

00:24:16: Ich weiß auch dass das nicht so DNA unseres Gesundheitswesen gehört zusammen zu arbeiten und zu kooperieren.

00:24:23: Und daraus ist bei mir auch ein bisschen eine Doppelrolle entstanden.

00:24:27: Ich bin parallel auch Geschäftsführer der Einkaufsgemeinschaft der kommunalen Krankenhäuser genau mit dem Ziel mehr und vielleicht auch zukunftsorientierte Lösungen und Services zwischen den Krankenhäusern gemeinsam zu bündeln und gemeinsam zu lösen.

00:24:41: Dazu können auch solche Sachen wie Weiterbildungsverbünde oder Weiterbildungangebote gehören.

00:24:46: Ich glaube, das ist der einzige Weg, wie wir aus der Spirale in der wir uns gerade befinden herauskommen können.

00:24:51: Ja klares Plädoyer!

00:24:53: Eine ja-nein Antwort von Ihnen.

00:24:56: die Bundesgesundheitsministerin sagt es kann nur Ziel der Gesundheitspolitik sein dass egal wo du wohnst ob in der Eifel im Spreewald oder in Berlin, oder in Köln und in München.

00:25:10: Eine ähnliche, eine gute qualitätsvolle Gesundheitsversorgung auch in Zukunft möglich sein

00:25:17: muss.".

00:25:19: Ist das einhaltbar?

00:25:20: Klare Antworten nein!

00:25:22: Das ist natürlich ein bisschen unfair, das müsste man jetzt noch vielleicht nochmal ausführen aber wenn man es reduziert glaube ich nicht dass das auf Dauer haltbar sein wird weil wir einfach unterschiedliche Lebensbedingungen unterschiedlicher Gegebenheiten haben, die wir nicht schon allein durch die fehlenden Personalen nicht lösen können.

00:25:39: Wir wollen – weil unser Thema natürlich auch ein bisschen schattig und mittelgrau war – enden wie immer in diesem Podcast Medizin aufs Ohr mit einer kleinen Episode aus dem persönlichen professionellen Erleben, die vielleicht ein bisschen unterhaltsam oder lustig war.

00:25:57: Was haben Sie für uns?

00:25:59: So richtig lustig ist ja im Moment in den Krankenhäusern die Stimmung nicht.

00:26:04: Aber was ich total erfrischend und auch positiv erlebe, ist so eine unterschiedliche Kultur in den kranken Häusern.

00:26:14: Und ich will es mal ganz anschaulich machen überall da wo innerhalb der Krankenhäuser egal ob groß oder klein eine große zentrale Botschaft des Veränderungsbedarfes und der Veränderungsmotivation.

00:26:29: platziert wird und das ist unabhängig von groß oder kleinen kommunalfrei gemeinnützig oder privat.

00:26:34: Da erlebe ich eine Aufbruststimmung, eine sehr positive Dynamik und auch tatsächlich greifbare Erfolge im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Versorgung und auch des einzelnen Krankenhauses.

00:26:45: Und überall da wo so ne Tendenz oder so ne Mentalität herrscht wie sind irgendwie gut aufgestellt?

00:26:51: Wie sind die Gewinner?

00:26:52: oder wir brauchen uns nicht zu verändern?

00:26:55: Da nehme ich wahr, dass auch die Mitarbeitenden in diesen Organisationen eher etwas pessimistisch in die Zukunft gucken.

00:27:02: Weil so richtig glauben das es einfach so bleiben kann wie bisher tut ja in den Krankenhäusern quasi keine mehr.

00:27:10: Und meine persönliche Lehre ist daraus tatsächlich auch ganz offen und ehrlich mit den Menschen umzugehen und zu sagen, wir müssen uns weinen!

00:27:17: Wir müssen uns komplett neu und anders aufstellen.

00:27:20: Alles was wir in den letzten zwanzig Jahren gemacht haben hilft uns nicht mehr für die kommenden zwanziger Jahre und jeder der irgendwie noch Teil des Systems sein will und muss, der tut gut daran alle Möglichkeiten der Veränderung der Neuausrichtung mit in Erwägungen zu ziehen und mitzugestalten Und ich hab tatsächlich das Gefühl, dass es an diesen Krankenhausstandorten deutlich besser läuft und deutlich mehr zugestalten ist als da wo man sich ein bisschen darauf zurückzieht.

00:27:46: Die Politik müsste es regeln und ansonsten sind wir schon gut aufgestellt.

00:27:51: So noch einer behaupten Realität im Krankenhaushälte nichts mit Mindset zu tun.

00:27:57: Wie gehe ich auf das Leben und meine berufliche Tätigkeit zu?

00:28:01: Vielen, vielen Dank für diesen Mutmacher zum Schluss.

00:28:04: Und vielen Dank fürs Gespräch Nils Dehne.

00:28:07: Herzlichen Dank für die Einladung!

00:28:08: Das

00:28:14: war Medizin aufs Ohr mit Nils dehne Geschäftsführer der Allianz Kommunaler Großkrankenhäuser.

00:28:21: Wir können nicht nur Podcast wir können auch Weiterbildung.

00:28:24: Wenn Sie unseren Experten nicht nur zuhören, sondern auch von Ihnen lernen wollen, laden wir sie herzlich ein sich unser umfangreiches Weiterbildungsangebot unter www.escolab-akademie.de einmal genauer anzusehen.

00:28:39: Sicherlich ist hier die passende Fortbildung für Sie dabei!

00:28:42: Wir hören uns wieder bei Medizin aufs Ohr – bis dahin Ihre Escolab Academy.

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