Medizin aufs Ohr: Koordination ist (fast) alles - OP-Planung aus der Hauptstadt

Shownotes

Willkommen bei Medizin aufs Ohr, dem Podcast der Aesculap Academy. Dieses Mal zum Thema OP-Koordination. Der Alltag im Operationssaal ist anspruchsvoll. Kann der Eingriff stattfinden? Ist ausreichend Personal vorhanden? Was, wenn es kurzfristige Krankmeldungen gibt? Für die OP-Planung gilt: Sie muss zuverlässig und in der Lage sein, auf Veränderungen schnell und kompetent zu reagieren. Zu Gast bei uns: Lava Truckenmüller, Funktionskoordinatorin am Charité Campus Virchow Klinikum. Sie trägt die Verantwortung für 280 Mitarbeitende und 15 Bereichsleitungen im OP-Funktionsdienst und ist zuständig für die operative Steuerung von 32 OP-Sälen inklusive Außenstellen an der Charité. Lava Truckenmüller studierte zunächst Medizin, absolvierte dann ein Studium in Business Administration mit dem Schwerpunkt Gesundheits- und Sozialwesen. Im Podcast erzählt sie, worauf es im OP ankommt, was in der Zukunft wichtig wird und warum Unternehmenskultur im Gesundheitswesen kein Beiwerk ist.

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00:00:04: Willkommen bei Medizinhofs Ohr, dem Podcast der Eskulab Academy.

00:00:08: Dieses Mal zum Thema OP-Koordinationen.

00:00:12: Der Alltag im Operationssaal ist anspruchsvoll.

00:00:15: Kann der Eingriff stattfinden?

00:00:17: Ist ausreichend Personal vorhanden?

00:00:19: Was wenn es kurzfristige Krankmeldungen gibt Für die OP Planung gilt?

00:00:24: sie muss zuverlässig und in der Lage sein auf Veränderungen schnell und kompetent zu reagieren.

00:00:33: Laba-Truckenmüller, Funktionskoordinatorin am Charité Campus Wircho Klinikum.

00:00:38: Sie trägt die Verantwortung für zweihundertachzig mitarbeitende und fünfzehn Bereichsleitungen im OP-Funktionsdienst – und sie ist zuständig für operative Steuerung von Zweiunddreißig OP-Sälen inklusive Außenstellen an der Charité.

00:00:54: Lava Truckenmüller studierte zunächst Medizin, absolvierte dann ein Studium in Business Administration mit dem Schwerpunkt Gesundheits- und Sozialwesen.

00:01:04: Im Podcast erzählt sie worauf es im OP ankommt was in der Zukunft wichtig wird und warum Unternehmenskultur im Krankenhaus kein Beitrag ist.

00:01:21: Truckenmüller, sie ist Funktionsdienstkoordinatorin am Charité Campus Wircho Kliniken in Berlin.

00:01:29: Hallo in die Hauptstadt!

00:01:30: Hallo vielen Dank für die Einladung

00:01:33: Frau Trucken Müller.

00:01:34: wir müssen glaube ich mal starten mit einer Job Description.

00:01:38: wie sieht die Stellenbeschreibung aus?

00:01:41: einer Funktion Dienstkoordinatoren?

00:01:45: Manche mögen sich darunter nicht richtig was vorstellen können.

00:01:48: Ja, mein Job ist im Grunde eigentlich chaosunsicherer zu machen.

00:01:52: Okay.

00:01:53: Bedeutet... Im Grunde, mein job ist es den gesamten OP-Betrieb zu steuern.

00:01:58: Das kann man wenn wir mag in vier Kernaufgaben unterteilen.

00:02:02: das ist beispielsweise einmal Personal koordinieren Personal meint hier konkret die OP und eines ZSY Funktionsdienst wer arbeitet mit wem wann wo und welche Qualifikation?

00:02:15: Welche Neuzugänge haben wir?

00:02:18: Wo setze ich die Praktikantinnen, die Hospitantinnen ein?

00:02:21: und das tatsächlich in jahrständiger dynamischen Veränderungen sprich Personalausfall- und Notfallaufkommen.

00:02:30: Dann gibt es halt den Ablaufsteuern.

00:02:32: also dass ist das was sich glaube ich die meisten drunter etwas vorstellen können und zwar den OP Programm umsetzen und auf Ausfälle und Störungen im Prozess gezielt aber auch sofort zu reagieren.

00:02:45: Und reagieren bedeutet eigentlich hier, das so schnell wie möglich zu beheben und dass der OP-Betrieb wieder nahtlos weiter geht.

00:02:55: Wir bewegen uns im OP da sind ganz viele Schnittstellen also gehört Schnittstellenmanagement auch dazu.

00:03:02: Das bedeutet ganz ganz enge Absprache mit den Chirurgen in den Mitteln Kliniken, mit der Anäste-Sie, Mit der Pflege aber auch Medizintechnik Reinigung, Hygiene.

00:03:16: Die Liste ist sehr lang und das Ganze irgendwie ... Obwohl die ganzen Schnittstellen da sind.

00:03:22: eine Stabilität zu sichern bedeutet kurzfristige Engenpässe sofort lösen was ich gerade gesagt habe Notfallaufkommen aber auch Raumluftechnik Medizintechnik-Personalausfall Und das beansprucht tatsächlich meine meiste Zeit und auf meinen meisten Nerven Siebe zum Beispiel defekte Geräte.

00:03:44: Und gleichzeitig zu schauen, dass ich trotzdem langfristige Strukturen aufbauen kann in dem eben ja Entwicklung möglich ist.

00:03:54: Am Ende geht es eigentlich darum, Patientenversorgung Wirtschaftlichkeit und Teamstabilität gleichzeitig sicherzustellen und das meistens bevor die Mitarbeiter da sind und bevor der Betrieb eigentlich losgehen kann.

00:04:10: Das heißt, wir müssen früher anfangen zu arbeiten.

00:04:12: Was qualifiziert eigentlich für diesen Job?

00:04:14: Wie kamen Sie dazu?

00:04:16: Das ist ja glaube ich im Großkrankenhaus natürlich eine wahnsinnig wie wir gerade gelernt haben notwendige Stelle aber auf der anderen Seite vielleicht in kleineren Häusern etwas was vielleicht so ein bisschen exotisch wirkt noch.

00:04:30: also wie sind sie selber dahin gekommen das zu machen?

00:04:34: Also OP-Management gibt es schon länger in ganz vielen größeren Krankenhäusern.

00:04:40: Wie ich dazu gekommen bin, das ist eigentlich ganz spannend.

00:04:43: Ich bin nach Berlin gezogen und wollte schon immer an den OP nach meiner Ausbildung.

00:04:49: Und als junge Frau ist man ja voller Ideen um Begeisterung.

00:04:53: Ich habe relativ schnell gemerkt dass mich für den OP nicht nur begeistert sondern auch die Prozesse sehr interessant finde.

00:05:02: Ich hab da so ein bisschen Fehl interpretiert, hab dann angefangen Medizin zu studieren Und habe gemerkt, ja toll, Testate bestanden.

00:05:10: Aber ich hatte keine Glücksgefühle dabei und also gar nicht.

00:05:16: Es war spannend das Medizinstudium ist sehr interessant aber ich hatte nicht diese Euphorie die ich im Prozess hatte oder im Geschehen und hab dann schnell gespitscht auf das Managementstudium Und da relativ jung eine Stellvertretung in Funktion bekommen, also für Unfallchirurgie und Neurochirurugie.

00:05:39: Und innerhalb kürzester Zeit war ich ganz schnell auf dieser Position.

00:05:44: Also nachdem ich zwei Jahre schon in Stellvertretern war habe ich mich dann auf diese Stelle beworben damals und hab sie dann bekommen auch während mein Studium.

00:05:53: Mein Studium habe ich parallel absolviert Und so ist das eine zum anderen gekommen, also meine Stärken liegen ja daran zu führen und so hat sich das Ganze ergeben.

00:06:05: Vielleicht auch nochmal ein Blick über die Schulter weil wir das noch gar nicht verraten hatten.

00:06:11: ich ahne eine große Zahl denn wir befinden uns ja in der Charité Berlin und es ist ja bekanntermaßen eines der größten Krankenhäuser der Republik.

00:06:20: Über wie viele OP's reden wir eigentlich?

00:06:22: Die sie zu koordinieren haben?

00:06:24: wie einen Sack Flöhe

00:06:26: Also um die zwischen sieben, zwanzig und zweiunddreißig OP-Säle und dann vier bis fünf Außenstellen.

00:06:31: Ja also ich trage Verantwortung für ja zweihundert, achtzig, dreihundert Mitarbeitenden und fünfzehn Bereitsleitungen.

00:06:39: Sie haben das eben schon so ein bisschen angedeutet was die Nadelöhre sozusagen sind nämlich es wird eine Person krank Aber es kann ja auch eine Patientin, ein Patient ausfallen beispielsweise.

00:06:52: Es kann der OP-Medizin technisch nicht bereit sein für das was operiert werden soll.

00:06:59: Also würden Sie sagen sie betreiben ständiges Krisenmanagement?

00:07:04: Das kann man so verstehen.

00:07:06: also Ja ist so ist so vor allem mit Blick auf all das was wir jetzt gesagt haben.

00:07:14: Wir haben Personalmangel Gott sei Dank nicht so viele Ausfälle im Betrieb, sonst hätten wir echt ein Problem der Betrieb an sich funktioniert.

00:07:23: Meine größten Herausforderung ist tatsächlich das Personalmangel weil da habe ich die meisten Ausfällen.

00:07:31: und wenn Sie mich jetzt fragen wie ich denn damit umgehe man muss in drei Etappen denken weil Personalmange löse ich nicht nur kurzfristig sondern das muss man strukturell lösen.

00:07:42: Ich arbeite eben immer.

00:07:43: entweder also immer kurzfristig stabilisieren.

00:07:47: Das ist das, was Sie gesagt haben fällt aus.

00:07:49: Was mache ich jetzt?

00:07:50: Dann mittelfristig steuern und da muss sich langfristig Strukturen verändern.

00:07:56: Und kurzfristige bedeutet Tiernotfallmanagement oder extremer Ausfall.

00:08:01: davon sind wir tatsächlich mal mehr Mal weniger getroffen.

00:08:05: Ziel ist es den OP Ablauf trotzdem aufrecht zu erhalten und Patientenversorgung.

00:08:11: Das ist mein Ziel in dieser Kurzfristigkeit, bedeutet für mich ich muss jetzt priorisieren natürlich eine Absprache mit den Kliniken was medizinische Dringlichkeit ist.

00:08:22: dann muss sich eben schauen das Seele gegebenenfalls reduziert werden statt dass ich Chaos weiter laufen lasse.

00:08:29: Dann gibt es noch die Möglichkeit Personal Flexibel zu verschieben über die Bereise hinweg.

00:08:34: und sie haben mir gerade gesagt Charité ist ein großes Haus.

00:08:39: Wir können also campusübergreifend auch Mitarbeiter einsetzen.

00:08:43: und was für mich als kurzfristige Lösung eigentlich entscheidend ist, als Führungskraft eine Hands-on Mentalität zu haben bedeutet ich selbst bin präsent vor Ort Ich unterstütze wenn nötig.

00:08:58: Also ich greife schon aktiv ein damit eben der Betrieb stabil bleibt.

00:09:03: aber das darf Das muss mir auch klar sein, das darf kein Dauertzustand sein.

00:09:08: Mittelfristig ist es diese Muster jetzt zu erkennen die dazu führen dass ich ständig diese Herausforderung habe und da ist halt mein Ziel das Problem zu verstehen und nicht nur kontinuiert wie Sie jetzt krass so schön gesagt haben Krisenmanagement zu betreiben weil ich muss dann steuern.

00:09:28: Ich muss dann schauen Wie kann einlenken, dann gucke ich mir die Zahlen an.

00:09:33: Wie sind die Krankheitsquote?

00:09:35: Es ist isional bedingt.

00:09:36: Das ist aufgrund der Belastungsspitze, die gerade da ist.

00:09:40: Ich muss an Diespläne prüfen.

00:09:42: Ist es realistisch aufgestellt?

00:09:44: oder habe ich hier ja schön gerechnet?

00:09:47: und naja gezielte Umverteilungen der Ressourcen.

00:09:50: also ich arbeite schon Datenbasiert nicht nur nach Gefühl.

00:09:54: Gefühl mache ich auch aber ich brauche immer diese Untermauerung.

00:09:59: Zahlen, aber auch diese Zahlen, diese Daten müssen im Alltag auch Wirkung zeigen.

00:10:06: Deswegen muss ich dann auch langfristig die Struktur verändern wobei ich hier deutlich sagen muss, langfristige.

00:10:13: in zehn bis fünfzehn Jahren brauchen wir die Politik und da sehe ich die Politik in großer Verantwortung.

00:10:20: aktuell versuche schon dass es langfristiger unabhängiger stabil bleibt zum Beispiel durch die Personalmatrix sich erstellt habe und eingeführt habe, damit wir Transparenz schaffen für alle Mitarbeiter mit denen ich zusammen arbeite sprich die Bereisleitungen.

00:10:36: Ich habe meine Bereisleistung auch befähigt eigenständig zu steuern.

00:10:40: das gehört auch dazu eben ein Prozess langfristig zu verändern und ja Mitarbeiter zu stärken.

00:10:46: Lassen Sie uns über diese Personalmatrix noch mal sprechen und auch mit einer Perspektive.

00:10:52: Glaube, dass sie derzeit mit Excel arbeiten.

00:10:56: Das aber in der Perspektive durchaus eine gute Portion KI damit eingreifen kann.

00:11:05: Man muss sich hervorstellen Sie haben ja knapp dreihundert Menschen im Alltag zu koordinieren.

00:11:10: Das ist ja kein Papenstil und es geht ja nicht darum, irgendwelche metallischen Werkstücke zu produzieren am Fließband sondern es geht auch Menschenleben letztendlich.

00:11:19: Also der dynamische Dienstplan sage ich dazu und das bedeutet eigentlich für mich dass Personalplanung nicht einmal erstellt wird und dann nur noch verwaltet wird sondern aktiv gesteuert wird Zum Beispiel auf Basis von Bedarf, wie viele Seele habe ich.

00:11:34: Von Qualifikationen der Mitarbeitenden und die aktuelle Situation notwendig Pausenablösung kurzfristiger Ausfälle.

00:11:42: Und ich hab dafür eben eine digitale Personalmatrex entwickelt und auch implementiert, die wir seit vier Jahren auch anwenden.

00:11:49: Im Grunde läuft das ist aber keine KI.

00:11:52: also könnte ich eine KI programmieren, wäre ich glaube ich woanders?

00:11:58: Aber im Groben ist es nämlich so, dass ich die Dienstpläne nehme.

00:12:02: Die Rohdaten nehme als Grundlage und bereinige diese Daten in Excel indem mich durch eine Programmierung über Makros nennen sie sich im Button drücke und dann fängt das Programm an, das Ganze zu bereinigen in beispielsweise Qualifikation verfügbarkeit.

00:12:20: Und das jeweils angepasst in den Bereich.

00:12:24: Das ganze wird dann in ein Tagesplan überführt in einen sogenannten OnePager weil das ist für die Tagesskoordination eigentlich ein GameChanger wenn ich Hundert bis hundzwanzig Mitarbeiter auf einen Blick, auf einen Platz sehe und die direkt identifizieren kann wo sie alle sind.

00:12:42: Kann ich mir sofort vorstellen klar?

00:12:44: Ja das war früher.

00:12:45: also wo ich angefangen habe war das ganze noch auf.

00:12:49: Ja, händisch wurde das eingepflegt und naja man konnte die Dynamik nicht so anpassen.

00:12:54: Das habe ich jetzt geändert mit dem Team und die dynamische Anpassung findet tatsächlich durch die Bereißleitung statt im Background also im Hintergrund weil ich das Ganze auf Teams hochgeladen hab damit eben alle drin arbeiten können Und kurzfristige Änderungen steuerbar sind und ich sehe es dann auch sofort und brauche kein Papier dafür.

00:13:14: was dadurch jetzt anders wurde ist wir sind jetzt weg von.

00:13:18: Wer ist überhaupt heute da?

00:13:19: Genau, genau.

00:13:20: Also muss man jeden Tag von null anfangen.

00:13:22: so war es traditionell.

00:13:23: irgendwie kann ich mir das vorstellen Mensch ist krank oder was OP ist nicht verfügbar oder sowas und dass dann sie jetzt auf einen Blick macht total Sinn klar

00:13:32: Ja klar.

00:13:33: Und jetzt sind wir da.

00:13:34: wer wird wo am sinnvollsten eingesetzt und das macht nicht nur Ich sondern gemeinsam mit dem Bereisleitung.

00:13:40: Dadurch konnten wir bereits übergreifen Plan transparenter arbeiten Ja, deutlich ja flexibel mit dem Personal umgehen und auch schneller reagieren.

00:13:50: Ich finde auch das ein entscheidender Effekt dabei war dass wir unsere Leasingabhängigkeit dadurch reduziert haben.

00:13:57: Wir hatten Monate leasingfrei an einem der größten Standorte was bei Personal mangelt tatsächlich in sehr schöner messbarer Wert ist für eine sehr gute Führung Und ich finde, dass der dynamische Dienstplan war für mich nicht nur ein Tool sondern die Grundlage um eben den OP von Abhängigkeit von Personal zu einem stellbaren System zu entwickeln und das Schlüssel war.

00:14:20: Die Leitungen hier mitzunehmen und ihnen zu zeigen welchen Nutzen vor allem auch sie dadurch haben und deren Input was ja durch ihre Fachlichkeit mitgebracht haben wir für alle genutzt also Schwarmintelligenz gut ausgenutzt.

00:14:35: Sie haben das Stichwort Politik vorhin angesprochen.

00:14:37: Natürlich möchte ich da auch ein Wort noch hören von Ihnen, aber zunächst mal etwas was Ihnen glaube ich sehr am Herzen liegt nämlich auch mit der Kultur im Haus zu arbeiten in einem großen Krankenhaus Und das korreliert.

00:14:53: Das hat ja eine Menge zu tun mit Personalengpässen, das ist nicht nur die Demografie, dass es nicht nur Generation X, die plötzlich lieber Influencerin sein will als im Krankenhaus zu arbeiten sondern das hat ja mit all hergebrachten Strukturen zu tun und mit großer Arbeitsbelastung.

00:15:13: Sinnfrage, warum mache ich das eigentlich?

00:15:15: Warum gebe ich mir das?

00:15:16: Krummer Arbeitszeiten sehr schwierige Situationen im Alltag und so weiter.

00:15:23: Und hier ist es glaube ich sehr sinnvoll auch wenn es inflationär gebraucht wird in der Arbeitswelt derzeit über Empowerment zu reden, über Unternehmenskultur zu reden um Menschen tatsächlich an einen Organismus Krankenhaus binden zu können.

00:15:40: was machen sie da?

00:15:42: Eigentlich ist eins klar, Führung hat sich total verändert.

00:15:46: Früher waren eben autoritäre Stile und leider auch Demütigungen keine Seltenheit im OP – ich habe das ja selbst als junge Frau erlebt!

00:15:56: Ich komme damit ein, zwanzig in den OP-Saal und da ist man unsicher schichtern und macht auch Fehler.

00:16:02: Auch hier werden wir beim Thema positive Fehlerkultur Und bei einem kleinen Fehler da vor versammeltem Team bloßgestellt zu werden, das ist einer der schlechtesten Führungsziele die ich jemals gesehen habe.

00:16:17: Und meine Meinung nach,

00:16:19: v.a.,

00:16:19: mit Blick auf Generationen, jüngeren Generationen – das ist nicht mehr tragfähig!

00:16:23: Absolut nicht und ich wundere mich dass es so lange durchgegangen ist.

00:16:28: Ich finde wir müssen uns von der Vorstellung mal lösen Exzellenz, was ja viele Leitungen haben oder eben Führungskräfte auch haben.

00:16:40: Das ist automatisch eine gute Führungskraft bedeutet das ist schon lange nicht mehr ausreichend Fachkompetenz weil ich finde heute brauchen wir Fachkräfte mit einer sehr sehr hohen Sozialkompetenz die lösungsorientiert arbeitet dass Gesamtsystem einfach im Blick hat und vor allem den Menschen entwickeln möchte Und kann, das ist dieses Empowern.

00:17:06: Gerade im OP, der eben sehr sensibel und manchmal auch ein politisches Umfeld ist, braucht es eine gewisse Form von Diplomatie.

00:17:18: Also klare Entscheidungen treffen können aber gleichzeitig ein gutes Gespür haben für Menschen und Situationen Und das fehlt ein bisschen im Gesundheitswesen, ist mein Eindruck.

00:17:30: Ja, idealtypisch ist natürlich eine OP-Besetzung ein Team wo die Hierarchie nicht die erste Gal gespielt.

00:17:38: Ich glaube einen Hutträgerin, einen Hut Träger im OP mutmaßlich Die Ärztin der Arzt wird es geben müssen.

00:17:47: natürlich Das ist auch ihr Verständnis oder?

00:17:50: Auf jeden Fall also Ich weiß schon, wie die aktuellen Situation einfach bundesweit ist.

00:17:58: Dass Hierarchie immer noch ein großes Thema ist – ich finde auch gerade im OP haben wir Strukturen, die halt so historisch gewachsen sind und Hierarchien und Routinen, die einfach nicht ohne Grund existieren.

00:18:11: Es gibt schon einen Sinn, warum es sie gibt.

00:18:13: zum Beispiel im Notfall muss es einen geben, der den Ton angibt kurze, klare Worte findet.

00:18:20: Das ist ja sehr stark hierarchisch manchmal und das muss in dem Fall auch so sein und dass es richtig... Mein Ziel ist es auch gar nicht irgendwie die Hierarchie abzuschaffen sondern sie sinnvoll zu nutzen um dort aufzubrechen wo Sie Zusammenarbeit behindern oder blockieren.

00:18:38: ich arbeite wenig über Konfrontation sondern eher so über Struktur verändern also durch die Transparenz die ich geschaffen habe Also zum Beispiel Personalmatrix, gemeinsam Entscheidungen treffen und eben die Werte, die ich dann sehe mit allen zu teilen.

00:18:56: Und der Effekt ist das Hierarchie automatisch an Starheit verliert, weil es eine Struktur gibt, die das Ganze so ein bisschen entkräftigt.

00:19:07: Verstehen Sie was ich meine?

00:19:08: Das leuchtet

00:19:09: ein absolut, absolut!

00:19:10: Es geht nicht darum statt Skalpell zu sagen... Reichen Sie mir das Skalpell bitte, weil dafür mutmaßlich im OP gar keine Zeit ist.

00:19:20: Aber dass zum Beispiel die Lautstärke dieses einen Wortes dann überdacht wird?

00:19:28: Dass es halt nicht geschrien wird im OP?

00:19:31: Genau!

00:19:31: Das ist mir auch sehr wichtig.

00:19:33: und da muss man eben einmal mit demjenigen sprechen.

00:19:38: Zwar nicht intraoperativ – ich meine der Druf ist dann gelutscht muss man eben als Führungskraft die Situation einschätzen und eine Kultur im Team schaffen, dass über solche Situationen gesprochen werden.

00:19:53: Und das Wichtige ist hier gar nicht klagen zu sein!

00:19:56: Ich meine jeder hat doch Verständnis dafür wenn der Operateur gerade am Tisch ist und es fängt an zu bluten, dass er keine Zeit für Danke und Bitte hat.

00:20:06: Und eben sich mal kurz im Ton vergreift – da sagt keiner was!

00:20:10: Aber kommen das immer wieder vor bei routinierten Eingriffen oder hat man den Eindruck, es ist doch eher etwas Persönliches?

00:20:17: Muss man da schon

00:20:18: reifen?!

00:20:19: Ja ich finde das ganz wichtig, das zu trennen die Urgenz wie Dringlichkeit, die natürlich per se im OP herrscht und das zu trennen von diesem Imperativ.

00:20:30: Von diesem Lautsein von dieser starren Hierarchie.

00:20:33: Und das haben sie natürlich fantastisch erklärt.

00:20:36: jetzt Politik.

00:20:38: ein ganz kurzes Wort wir haben jetzt gerade eine Krankenhausreform politisch verabschiedet.

00:20:43: Leistungsklassen ein unfassbares Umgetümmen.

00:20:47: viele Elemente werden bis zwanzig Dreißig Zweiunddreißig Fümmen dreißig realisiert werden können Wenn sie dann realisiert werden, eine richtige Einladung für die Fachkräfte der Zukunft, die gerne im OP arbeiten wollen.

00:21:02: So als pflegerisch oder ärztlich ist das alles nicht?

00:21:06: Also die Reform, die ja im Prinzip reagiert auf Kostendruck und auf Einsparungen, Ambulantisierung, Telemedizin, Budgets werden kleiner

00:21:17: usw.,

00:21:18: ist nicht so richtig das Versprechen für junge Leute in den Job drängen zu wollen!

00:21:23: Ich finde, die Politik reagiert immer kurzfristig.

00:21:26: Ich habe immer den Eindruck... ich versuche vor meinen Mikro-Kosmos in deren Kosmos mich reinzudenken und ich hab immer den eindruckt, die haben gerade den Druck das es kein Geld gibt!

00:21:38: Und jetzt reagieren sie kurzfristiger darauf.

00:21:41: Meine Frage ist war das vor ein paar Jahren nicht schon klar?

00:21:44: Warum ist das denn jetzt erst...?

00:21:46: Wieso reagiert man denn jetzt erst?

00:21:49: Und das ärgert mich tatsächlich.

00:21:51: Das ist ein emotionales Thema, was ich hier gar nicht so eigentlich beantworten möchte, weil ich da sehr emotional werde auch mit den Nachzahlungen der Krankenhäuser, was Sie ja wahrscheinlich auch gelesen haben ... Mitarbeiter nicht alles bis aus kleinste dokumentiert haben.

00:22:07: Ich meine, es gibt Studien wo belegt wird das Ärzte und Pflegepersonen vierzig bis fünfzig Prozent ihrer Zeit mit Dokumentation verbringen.

00:22:15: da frage ich mich Wo war die Politik um dass das einmal zu verbessern?

00:22:20: Und jetzt reagiert die Politik indem sie uns noch schmalere Leitplanken gibt.

00:22:26: also ich bin keine politikwissenschaftlerin aber ich weiß nicht ob dass der richtige Weg ist.

00:22:33: Ich habe gerade nur den Eindruck, der Druck steigt und wir müssen damit gucken wie wir damit umgehen

00:22:40: sollen.".

00:22:41: Die Ansätze sind nicht richtig.

00:22:43: Und wenn Sie jetzt sagen, was ist mit Generation der jüngeren Generation?

00:22:46: Ich glaube und da komme ich jetzt dazu Dankeschön für diese Thematik.

00:22:50: Jetzt versuche ich mich mal zu entemotionalisieren.

00:22:53: Sehr gut!

00:22:53: Ich glaube nicht dass der Beruf im OP also Pflege oder Arter oder auch der Arztberuf unattraktiv geworden ist sondern... Die Herausforderung liegt in Rahmenbedingungen und das erschwert uns gerade so viel.

00:23:06: Und da ist, muss ich ehrlich sagen die Politik dran schulden.

00:23:09: Die jüngeren Generationen stellen ganz andere Anforderungen.

00:23:13: Ich meine sie wollen Planbarkeit, sie wollen sich selbst entwickeln und mitgestalten.

00:23:18: dafür haben wir aber eigentlich kein Geld daran wie eilig sind wenn die Leute kommen sollen sie so schnell wie möglich eingesetzt werden.

00:23:24: Wenn wir es schaffen diese Strukturen entsprechend anzupassen Wird das Gesundheitswesen eigentlich ein sehr, sehr attraktiver und auch sinnstiftender Arbeitgeber oder Arbeitsbereich bleiben für junge Leute?

00:23:37: Aber aktuell sehe ich die Politik dahin genau dass sie das alles gerade zerstört.

00:23:42: Medizin aufs Ohr ist ja ein Podcast der Eskulab-Akademie.

00:23:46: Die Eskultab-akademie hat sich der Weiterbildung im ärztlichen Bereich, aber auch im pflegerischen Bereich verschrieben und macht entsprechende Weiterbildungsangebote.

00:23:55: Was wäre in Ihrem Schuhkarton drin als Wunschthema für Weiterbildung?

00:24:01: Wir haben einen ganz breiten Fächer, ganz kurz gestreifte Digitalisierung

00:24:05: K.I.,

00:24:06: was da auf uns eben auch im Healthcarebereich zurollt.

00:24:10: Aber eben auch ... diese Kulturthemen, die ihnen eben auch so wichtig sind.

00:24:16: Was wäre ein Wunschseminar wo sie ihre Leute gerne hinschicken würden?

00:24:22: Also ich finde Weiterentwicklung für Führungskräfte im Gesundheitswesen sind kein nice to have mehr sondern eine Grundvoraussetzung um jetzt den steigenden Anforderungen durch die Politik geschaffen und gerecht zu werden.

00:24:42: Und vor allem die Komplexität im OP, im Gesundheitswesen nimmt ebenfalls zu und nicht nur medizinisch sondern vor allem organisatorisch uns jetzt auch personell.

00:24:52: gleichzeitig verändert sich ja auch die Erwartung der Mitarbeiter.

00:24:56: Wir haben hier ganz viel Druck so und dazu zählen wir haben mehrere Generationen in einem Team.

00:25:02: das heißt vielleicht wäre es gut dass man einmal die Generation kennenlernt und versteht wie sie denken Wie das Verständnis zur Arbeit ist, dann haben wir auch mehr Anspruch an Führung.

00:25:15: Führungen heißt nicht mehr autoritär zu sein sondern eben Mitarbeiter zu verstehen und weiterzuentwickeln bedeutet Menschen entwickeln Konflikte auch professionell lösen Und Veränderungsprozesse begleiten und dennoch das ganze wirtschaftlich betrachten.

00:25:34: Ich glaube schon dass es gelernt werden muss.

00:25:36: ich selbst habe es nämlich erlebt, wie entscheidend das ist.

00:25:40: Also viele Dinge lernt man nicht einfach automatisch im Alltag und schon gar nicht wenn man Fachkompetenz hat sondern bewusst weil man sich mit Führung auseinandersetzt.

00:25:50: ich hab zwar früh gelernt was Führungen heißt Ich bin die Älste von acht Kindern und musste dementsprechend Frühverantwortung nehmen.

00:25:58: aber so richtig klar wurde es mir tatsächlich erst durch das Managementstudium und die Ausbildung zur Deeskalationstrainerin Weil das Ganze noch mal wissenschaftlich und auch theoretisch untermauert worden ist.

00:26:10: Und was ganz wichtig ist, gerade mit Blick auf Personalmangel-und Veränderungsdruck muss es kontinuierlich sein.

00:26:18: Das heißt also einmaliges Coaching ist nicht genug?

00:26:22: Das muss ... weil die Zeit verändert sich doch auch!

00:26:26: Wir haben ständig neue Ereignisse.

00:26:29: Ich meine, die KI ist auf einmal da gefühlt.

00:26:31: Obwohl es eigentlich vor drei oder vier Jahren hieß ja, da gibt's jetzt Chat, du bitte hier keiner hat es ernst genommen?

00:26:36: Auf einmal sprechen wir davon.

00:26:38: KI kann ganze Texte übernehmen, KI kann Dienstplangestaltung machen.

00:26:42: Es ist sehr schnell liebig das Ganze und deswegen finde ich das eine Ausbildung Eine Weiterbildung auch kontinuierlich begleitet wird, dass Führungskräfte Pflichtfortbildungen haben.

00:26:55: Wir haben ja Pflicht-Fortbildungen im Gesundheitswesen zum Beispiel Reha Fortbildung und ich glaube es wäre auch sinnvoll für Führungskräfte so eine Art Pflicht fortbilden in Kommunikation zu machen Sozialkompetenzen.

00:27:07: Super spannend das Thema und das wäre ganz gewiss wünschenswert.

00:27:12: auch und ich fand den Aspekt jetzt wirklich spannend dass sie sagen Es ist ja nicht gegeben, dass wenn ich ein exzellenter Arzt oder Exzellente Ärztin bin.

00:27:22: Dass ich die Generation ZEK verstehe mit ihren Bedürfnissen sogar mit ihrer Sprache, die vielleicht dann despektilig empfangen oder empfunden wird obwohl sie das gar nicht ist sondern einfach einen neuen Code sozusagen darstellt.

00:27:38: also Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir im OP auch witziges sehen stattfinden aber eben auch welche sehr ernst sind und auf Missverständnissen beruht.

00:27:47: Und das wegzubekommen, wäre natürlich ganz, ganz fantastisch!

00:27:51: Frau Druckmüller, wir enden Medizin aufs Ohr immer mit einer eben lustigen Geschichte oder mit einer Anekdote aus dem eigenen beruflichen Erleben?

00:28:01: Was würden Sie uns da gerne erzählen?

00:28:04: Ich würde gerne was erzählen in meiner Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin.

00:28:09: Das war auch ein sehr prägendes Erlebnis für mich – es war witzig aber auch erhellend.

00:28:14: Da gab es ja früher Stationsstützpunkte.

00:28:17: Gibt's immer noch, aber nicht so streng wie in der Form wie damals.

00:28:21: und da war ich bei der Schwester, keine Ahnung, ich nenn sie mal jetzt Bertha.

00:28:27: und sie sagte Lava kannst du mir bitte den Herrn Müller, Beispiel Herrn Mülla bringen?

00:28:33: Und ich war im ersten Ausbildungsjahr und gehe dahin in sein Zimmer.

00:28:37: er guckt mich schon sehr verwundert an.

00:28:39: zu Herr Müller.

00:28:40: wir müssen jetzt zur Schwester Bertha.

00:28:43: Er hat mich schon wirklich ganz komisch angeguckt, da hätten bei mir schon die Alarmglocken angehen sollen.

00:28:48: Und da hatte ich gelernt wie man kinesthetisch an die Patienten zum Beispiel einen Rollstuhl bringt und ich habe da total meine kinestätischen Übungen alle angewandt und war dann ganz, ganz stolz darauf dass ich den Herrn Müller auf diesen Rollschul ganz alleine befördert habe mit meiner ein Meter achtundfünfzig und bin dann zum Schwesternstützpunkt und sag hier ist Herr Müller.

00:29:12: Dann guckt mich Berta an und sagt Lava, ich meine die Akte.

00:29:17: Wunderbar!

00:29:19: Das war witzig und unangenehm zugleich.

00:29:21: Natürlich

00:29:22: Und so ist es halt ticklich.

00:29:24: Man muss echt aufpassen um konkretisieren was man sagen möchte.

00:29:28: Also Bertha hätte ich gerne in die Augen geguckt, wo Herr Müller dann im Rollstuhl vor ihr war.

00:29:35: Auf der anderen Seite würde ich durchaus sagen das ist auch verschulden von Schwester Bertha gewesen denn sie hätte sich auch klar ausdrücken können.

00:29:44: Das stimmt!

00:29:47: Ich war froh dass sie mich nicht bewährt hat am Ende und es war alles okay.

00:29:51: Vielen herzlichen Dank Lava Trockenmüller für dieses tolle Gespräch über die Entwicklung in den OPs in der Charité und was es bedeutet, das belastbar zu planen.

00:30:03: Ich wünsche Ihnen weiterhin die große Energie, die Sie ja auch versprühen für diesen Job, für diese Führungsaufgabe und natürlich auch dass sich eben die Kultur im OP so ein bisschen anpasst und ein bisschen verändert.

00:30:20: Dankeschön!

00:30:21: Vielen dank.

00:30:22: ich glaube wir sind auf gutem Weg dahin.

00:30:28: Das war Medizin aufs Ohr, Mittelhaber Truckenmüller, Funktionsdienstkoordinatorin am Charité Campus Wircho Klinikum.

00:30:36: Und das war zugleich die letzte Folge von Medizin Auf's Ohr!

00:30:40: Wir bedanken uns für Ihr Interesse in den vergangenen Jahren – vielleicht möchten Sie die eine oder andere Folge noch einmal hören?

00:30:49: Wenn Sie von unseren Experten lernen wollen, dann laden wir sie herzlich ein sich unser umfangreiches Weiterbildungsangebot unter www.escolabacademie.de einmal genauer anzusehen.

00:31:02: Sicherlich ist hier die passende Fortbildung für Sie dabei!

00:31:06: Vielen Dank Ihre Escolab Academy.

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